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Bürgergarde Gengenbach e.V.; D-77723 Gengenbach
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  • Wehrhaft für die Freiheit - Teil 1

     Wehrhaft für die Freiheit” 
    die Bürgerwehr Gengenbachs während der “Badischen Revolution”

    basierend auf dem gleichnamigen Buch von Franz Xaver Vollmer, mit dessen
    freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung der zusammenfassenden Auszüge.

    Bereits am Anfang dieses Kapitels muss erwähnt
    werden, dass die Bürgergarde Gengenbach keine
    spektakuläre Rolle während der badischen Revo-
    lution spielte. Das Geschehen, in und um Gengen-
    bach, spiegelt sich mit dem vieler anderer Ge-
    meinden und Ortschaften. Man war zwar faszi-
    niert vom „revolutionären“ Gedanken, aber Füh-
    rungspersönlichkeiten wie in den Hochburgen der
    Revolution waren keine vorhanden und auch das
    nötige Geld um die ersehnte „Freiheit“ wenn nötig
    mit „Waffen“ zu erkämpfen war nicht vorhanden.

    Die Meinung in der Bevölkerung, über die Bürgergarde, während den Revolutionswirren, war recht unterschiedlich. Den Vorstellungen fortschrittlicher Politiker von einer demokratischen allgemeinen Volksbewaffnung vermochte „das Bürgermilitär“ nicht zu entsprechen. Man vermutete verfilzte Hierarchien der Führungsmannschaft und traute den Bürgermilitärsoldaten mit Ihren Tschakkos mehr Parade – als echten Gefechtswert zu.

    Nicht die Reihenfolge nach Dienstalter, Berücksichtigung der Dienstdauer und Beziehungen sollten mehr bei Beförderungen entscheiden. Ein neues Wehrsystem nach dem Vorbild des Schweizer Miliz sollte alle Wehrpflichtigen ohne Unterschied erfassen, und die Anführer sollten in freier Wahl durch die Mannschaften ermittelt werden.

    Am 10. März 1848 befasste sich der Gemeinderat mit dem Problem der „Volksbewaffnung“, als er von Amtswegen damit beauftragt wurde den Bedarf an Gewehren innerhalb von 3 Tagen zu melden. Der Rat erklärte „Es sei allgemeiner Volkswunsch, dass eine allgemeine Volksbewaffnung eingeführt werde.“ Bis diese ins Leben trat, sollte in Gengenbach neben dem bestehenden Bürgermilitär noch eine Bürgerwache errichtet werden. Zu diesem Zweck wurde um 100 Gewehre gebeten. Dies sollte auf Kosten des Staates geschehen. Der Bitte, des Kommandos des Bürgermilitärs dieses aufzurüsten wollte der Gemeinderat nicht nachkommen. Man war mehr der „demokratischen Volksbewaffnung“ zugetan. Da die Regierung dem Wunsche nicht nachkam die Kosten der „Volksbewaffnung“ zu übernehmen beschloss man am 17. März 1848 dass die 100 Gewehre angeschafft werden. Wohlhabende Bürger sollten diese selbst bezahlen, bei Unvermögenden werde die Gemeinde die Kosten tragen. Bürgermeister Erhard und Gemeinderat Baumann begaben sich hierzu am 24. März 1848 nach Offenburg um über private Bezugsquellen Gewehre zu beschaffen. Sollte dies nicht möglich sein, sollten von der Regierung Gewehre gekauft werden.

    In der Nacht vom 25. auf den 26. März erreichte Gengenbach die Meldung „die Franzosen hätten den Rhein überschritten“ und würden sich sengend und plündernd nähern. Sofort wurde das Bürgermilitär alarmiert. Während dieses sich mehr oder weniger heldenmutig zum Aufmarsch und Kampf rüstete, trugen Boten die Alarmnachricht weiter in das Kinzigtal hinauf.

    Die Bürgergarde Gengenbach bei den Filmaufnahmen zu -Traum von der Freiheit- 

    Die Meldung brachte ganz Süddeutschland bis nach Bayern in Aufregung. Ob diese historische „Ente“ vom „Franzosenlärm“ von politischer Ebene gestreut wurde hierüber kann man nur spekulieren. Vielleicht sollte hiermit die Notwendigkeit der Besetzung durch Regierungstruppen unterstrichen werden, um den Drang nach Freiheit und den Gedanken der Revolution im Keim ersticken zu lassen. 

    Was aber hatte sich in dem angeblich bedrohten Gengenbach zugetragen und wie reagierte die Bevölkerung ?

    Den Erzählungen von Carl Isenmann zufolge zeigten wirklich einige der Zeitgenossen Anzeichen von Angst und Panik:

    „Der Mehlkremp“ (Mehlhändler) versteckte seinen neuen Hochzeitsrock und die besten Kleider und Kostbarkeiten in leeren Mehlsäcken, die er alle zusammenwarf, denn darin würden die Franzosen bestimmt nichts suchen.
    „Der Oberdorfer Ölmüller“ vergrub seine Speckseiten im Mist, denn etwas Delikates würde wohl nicht in einem Misthaufen zu finden sein. Der Apotheker hielt sich zur Flucht bereit. In vier Hosen und Röcken, mit Zylinderhut, dessen Inneres eine Pelzmütze barg,  präsentierte er sich dem Bürgerwehrchargierten Johann Mayer. Dieser zog in dieser Stunde mit dem Bürgermilitär Richtung Offenburg auf den Ohlsbacher Buckel, von wo aus man nicht nur den Kinzigtalausgang, sondern dahinter die ganze Rheinebene in Richtung Straßburg überblicken konnte. Nirgends waren Anzeichen von Kämpfen und Brandschatzung zu sehen. Man überwachte die Gegend geraume Zeit, doch am friedlichen Bild der Gegend änderte sich nichts. Enttäuscht, aber wohl eher erleichtert beschloß man wieder heimzumarschieren.

     
    Treffen eines Soldaten und eines Freischärlers

    Nach dieser Episode beschloß man die „Volksbewaffnung“ - schnell  voranzutreiben. Doch die Bilanz die am 25. April 1848 der Gemeinderat zog war ernüchternd:
    Die mittlerweile auf 200 Gewehre erhöhte Bestellung ist nicht ver wirklicht worden, weil nirgends mehr Gewehre vorhanden waren. Dagegen war der Beschluß 2 Zentner Pulver und das nötige Blei hierfür angeschafft worden.
    Auch dem damals von der  Bürgerversammlung im Gengenbacher Salmen geäußerten Wunsch >>dass von der Hand und bis man die nötigen Gewehre besitzen werde, Sensen angefertigt werden sollen,<< war man nachgekommen, aber die Begeisterung für die Sensen hatte inzwischen merklich nachgelassen.
    Einmal waren sie geradezu zum Sinnbild von demokratischen Freischaren geworden, zum zweiten hatte sich bei den Treffen während des Aprilaufstandes die Unterlegenheit der Sensenträger gegenüber den mit modernen Gewehren ausgerüsteten Truppen allzudeutlich erwiesen.

    Folglich meinte man nun im Gemeinderat: „Man solle zwar die schon fertigen Sensen auf Kosten der Gemeinde übernehmen, aber neue sollen keine mehr gemacht werden, weil doch für die ganze Wehrmannschaft Gewehre angeschafft würden.“
    So wurde am 25. April beschlossen, „die Kosten für die bereits angeschafft Munition und die fertigen Sensen auf die Stadtkasse zu übernehmen, zu- gleich aber „200 Gewehre bei der Regierung zu bestellen“, was dann gleich am 26. April 1848 geschah.

    Zwischenzeitlich hatten am 24. April Regierungstruppen den Kampf um Freiburg siegreich beendet und der erste Revolutionsversuch war gescheitert.

    19. April 1848 - Hecckers Zug ist eingekreist - Film "Der Traum von der Freiheit"

    Da die Gengenbacher Bürgerwehr während des Heckerzuges sich offiziell nichts hatte zuschulden kommen lassen und das von der Badischen Regierung erlassene Bürgerwehrgesetz vom März nicht außer Kraft gesetzt worden war, wurde trotz dem gescheiterten Revolutionsversuch in Freiburg, die Bewaffnungsfrage in Gengenbach weiterverfolgt.

    Da nicht sicher war ob die Regierung die bestellten Gewehre liefern konnte, beschloss man die vorhandenen Gewehre des Bürgermilitärs zu verwenden und weiter Feuerschlossgewehre die den Bedürfnissen nicht mehr gerecht werden zu modernisieren in dem man Sie „pistonierte“.

    Am 30. Juni 1848 kündigte die badische Regierung das Eintreffen der in Belgien bestellten Gewehre an. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gengenbacher Stadtkasse das geforderte Geld aber nicht zur Verfügung. Da die Regierung aber die Gewehrabgabe von veralterten Steinschlossgewehren, die aufgrund Ihrer Allwetteruntauglichkeit nur verminderten Gefechtswert besaßen, nicht duldete, wurde es bis Anfang Mai 1849 still um das Thema „Volksbewaffnung“.

    Zur Fortsetzung "Wehrhaft für die Freiheit - Teil 2"

     zu den weiteren Themen "Badische Revolution"

    Seite zuletzt geändert am: 31.03.2013, 16:36 von Reinhard Worschech